×

Kuriose Ausrede der Airline: Vogelspinne in der Business Class – doch ein technischer Defekt!

kuriose Ausrede Vogelspinne Flugverspätung

Das Amtsgericht Hannover urteilte letzte Woche, dass die Flugverspätung vom Februar 2017 auf dem Flug von Havanna nach Hannover nicht auf die kuriose Ausrede eine Vogelspinne sei an Bord, zurückzuführen war, es fehlte schlichtweg an den Beweisen dafür.

Rund fünf Stunden später als geplant, erreichten die Passagiere auf Ihrem Flug von Kuba über Paris letztendlich Hannover. Denn der Flug von Havanna startete verspätet: Eine Vogelspinne sei in der Business Class aufgefunden worden, hieß es von Air France. Daher musste das Flugzeug vorschriftsmäßig mit Zyankali besprüht werden und ein anderes Flugzeug führte den Flug verspätet durch.

Die betroffenen Passagiere vermuteten eher einen technischen Defekt hinter der Verspätung und klagten auf Entschädigung nach der EU Fluggastrechteverordnung 261/2004. Für die zurückgelegte Entfernung von Havanna nach Hannover waren das 600,- € pro Passagier.

Das Amtsgericht Hannover verlangte Beweise für das tatsächliche Vorhandensein der Vogelspinne an Bord, aber diese konnte Air France aber nicht liefern. Somit lag kein außergewöhnlicher Umstand vor, sondern ein technisches Gebrechen. Air France muss die Entschädigung für die Verspätung zahlen. Damit lässt sich dieser Vorgang von Verzögerungstaktik nahtlos in die Serie: „Die kuriosen Ausreden der Airlines“ einreihen.

Leider ist diese Vorgehensweise der Airlines für die betroffenen Passagiere nicht so lustig, denn sie müssen klagen, um zu Ihrem Recht zu kommen. Beim Einreichen des Falles bei FairPlane trägt FairPlane das Prozessrisiko, sofern nicht die Fluggesellschaft diese Kosten übernehmen muss. Die FairPlane Provision wird nur im Erfolgsfall abgezogen.

Anbei weitere Beispiele aus der Vergangenheit, wo sich außergewöhnliche Umstände später als sehr wohl entschädigungspflichtige Sachverhalte entpuppt haben:

Ratte im Flugzeug

Grundsätzlich gelten herrenlose und ungesicherte Tiere als Sicherheitsrisiko an Bord. Eine Fluggesellschaft versuchte sich mit dem Argument zu entlasten, dass vor dem Start eine Ratte als blinder Passagier an Bord gesichtet wurde, jedoch trotz stundenlanger Suche nicht gefunden werden konnte.

„Beweisfotos“ des Nagetiers konnte die Airline nicht vorzeigen, so dass sich letztendlich nicht sicher feststellen ließ, ob der Grund der Verspätung tatsächlich in der Suche nach dem ungebetenen Gast lag oder nicht eher „rosa Elefanten“ gesichtet wurden.

Biene kriecht in Geschwindigkeitsmesser

Eine ver(w)irrte Biene schafft es in die Sammlung der skurrilsten Ausreden der Fluggesellschaften. Bei einer Maschine hatte sich nach Auskunft der Airline eine Biene in ein so genanntes Pitot-Rohr an der Flugzeugnase verkrochen und war zum Aussteigen nicht mehr zu überreden.

Da die Fluggesellschaft die Öffnung eben jenes Pitot-Rohres mit einer Schutzkappe hätte versehen müssen, wurde den Passagieren im Prozess eine Entschädigung zugesprochen.

Verstopfte Toilette

Ein Flugzeug muss funktionieren – auch die Toiletten. Tritt hier ein Defekt auf, gilt dieser nicht als außergewöhnlicher Umstand. Eine Airline argumentierte, dass unsachgemäßer Gebrauch der Passagiere mehrere Toiletten einer Maschine unbrauchbar und eine Reparatur nötig machte.

Die mehrstündige Verspätung sei daher ein außergewöhnlicher Umstand und die Airline müsse keinen Schadenersatz zahlen. Das Gericht schloss sich diesem Argument jedoch nicht an und die betroffenen Passagiere erhielten ihre Ausgleichszahlung.

Regen stoppt Reparatur

Grundsätzlich können bestimmte Wetterbedingungen eine Fluggesellschaft von Entschädigungszahlungen entlasten. Nachdem am Flugzeug vor dem Abflug ein technischer Defekt festgestellt wurde, wandte die Fluggesellschaft im Klageverfahren vergeblich ein, sie habe den Flug aus wetterbedingten Gründen nicht pünktlich starten können, weil sie im Regen das Flugzeug nicht reparieren konnte.

Das Gericht hat hier richtig darauf verwiesen, dass eine Reparatur für gewöhnlich im Hangar erfolge und dort sowohl Flugzeug als auch Techniker vor Regen geschützt seien.

Flugbegleiterin auf Abwegen

Eine Stewardess wollte die Flugzeugtüre öffnen, nachdem das Boarding bereits abgeschlossen war. Dabei vergaß sie, dass die Notrutschen bereits aktiviert waren. Mit Öffnen der Flugzeugtür rollte vor den verdutzten Passagieren die Notrutsche aus. Der Austausch nahm mehrere Stunden in Anspruch.

Grundsätzlich trägt eine Fluggesellschaft das Risiko, wenn eine Maschine aufgrund eines Defekts nicht rechtzeitig einsetzbar ist. Dies gilt erst recht, wenn das Flugzeug durch das eigene Personal außer Gefecht gesetzt wird. So musste die Airline zahlen.

Gin-Tonic statt Wasser

Eine Fluggesellschaft versuchte ihren um mehr als 24 Stunden verschobenen Flug damit zu begründen, dass der Kopilot am Morgen des Abfluges im Hotel ein Glas Wasser bestellt habe und versehentlich ein Glas Gin-Tonic serviert bekam.

In der weiteren Stellungnahme der Fluggesellschaft hieß es dann, dass der Pilot so durstig gewesen sei, dass er die „klare Flüssigkeit“ weder an Geruch noch an Geschmack erkannt habe und erst einmal ein halbes Glas austrank.

Die Fluggesellschaft war der Meinung, dass sie durch dieses unverschuldete Versehen zu keiner Ausgleichsleistung gegenüber ihren Passagieren verpflichtet sei. Dies sah das Gericht anders.