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Betrunken an Bord

Es gibt kaum etwas Unangenehmeres, als mit stark betrunkenen Passagieren, womöglich den direkten Sitznachbarn, einen Flug zu erleben. Dass Alkohol in der Luft anders wirkt – diese Erfahrung haben auch schon viele Promis gemacht. Warum bei alkoholisierten Passagieren das Bordpersonal eingreifen darf, und warum es auch betrunken besser ist, den Anweisungen der Crew Folge zu leisten…

Ferienstimmung, endlich Urlaub! Man gönnt sich ja sonst nichts, also lässt man es womöglich bereits am Flughafen richtig krachen und nimmt ein alkoholisches Getränk nach dem anderen zu sich. Oft trinken sich Gruppen tatsächlich in „Urlaubsstimmung“ und kommen dann schon stark alkoholisiert zum Boarding. Manche Passagiere übertünchen mit übermäßigem Alkoholgenuss auch ihre Flugangst, und hoffen, so alles besser zu überstehen.

Zu viel Alkohol ist auch im Flugzeug keine gute Idee…

Dermaßen angeheitert, kann es aber durchaus passieren, dass Ihnen das Bordpersonal den Zutritt zum Flugzeug untersagt. Einerseits sind Sie selbst durch den Alkoholeinfluss gefährdet, denn Sie können Sicherheitsanweisungen womöglich nicht mehr Folge leisten und stellen aber auch für andere Passagiere eine Gefahr da. Niemand will seinen Flug neben einem nach Alkohol riechenden und womöglich ununterbrochen quasselndem, aufdringlichen Passagier verbringen.

Durch die geringere Sauerstoffsättigung im Blut wirkt Alkohol in einer Höhe von 10-12.000 Metern stärker als „am Boden“. So kann es leicht sein, dass zwei Gläschen Wein sofort starke Wirkung zeigen, auch wenn man sonst „einiges“ verträgt. Den Blutalkoholspiegel verändert die große Höhe aber nicht, es ist die geringere Sauerstoffsättigung, die das subjektive Gefühl des „Betrunkenseins“ ändert.

Haben Sie schon einmal die aufmerksame Begrüßung beim Einsteigen ins Flugzeug bemerkt? Die Stewards lächeln Sie an und scannen Sie gleichzeitig ab: sind Sie gesund, betrunken, haben Sie Flugangst? All das kann das geschulte Auge innerhalb weniger Sekunden erkennen.

Betrunken an Bord – das kann teuer werden!

Während eines Fluges übt der Pilot luftpolizeiliche Hoheitsgewalt aus. Wenn ein Passagier seinen Anweisungen nicht Folge leistet, kann diese Verweigerung sogar zu einer Zwischenlandung und dem Abführen aus dem Flugzeug durch die örtliche Polizei führen. Die Kosten für eine ungeplante Zwischenlandung können leicht im fünfstelligen Bereich liegen. In diesem Fall steht dem uneinsichtigen Passagier keinerlei Schadenersatz oder Rückerstattung der Ticketkosten zu. Schlimmstenfalls laufen für eine Zwischenlandung Kosten auf, die der Störenfried dann selbst berappen muss.

So betrug zum Beispiel die verhängte Strafe für Briten, die sich beim Flug im Zuge ihres Junggesellenabschieds zu sehr daneben benahmen, bis zu 25.000 EUR, da sie durch ihr Verhalten einen außerplanmäßigen Zwischenstopp provoziert haben. Erst unlängst sorgte ein weiterer Junggesellenabschied auf einem Ryanair-Flug für eine ungeplante Landung, bei der sich selbst nach der Festnahme die Betrunkenen nicht beruhigten.

Grundsätzlich haben Passagiere an Bord den Anweisungen der Besatzung Folge zu leisten. Denn der Pilot übt luftpolizeiliche Hoheitsgewalt aus, so ein Urteil des Amtsgerichts Berlin Wedding (Az: 18 C 181/13).

Stark alkoholisierte Personen müssen nicht befördert werden. Der Pilot darf den Transport verweigern. Außerdem ist es dem Bordpersonal gestattet, unter dem Einfluss von Alkohol stehenden Passagieren das Getränk abzunehmen. Das geht aus dem Urteil des Amtsgerichts Wedding hervor. Berichtet hat darüber die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer hauseigenen Zeitschrift ReiseRecht aktuell, deren Ehrenmitglied auch Prof. Dr. Ronald Schmid, der Unternehmenssprecher von FairPlane ist.

Folgendes hat sich ereignet: Ein Passagier, der Flüge nach Riga und anschließend nach Tel Aviv gebucht hatte, fiel unangenehm auf und legte sich mit dem Flugzeugpersonal an. Er trank aus einer Flasche Wodka, die er sich zuvor im Duty Free Shop besorgt hatte und wechselte auch eigenmächtig seinen Sitzplatz. Als ihn die Stewardess belehren wollte, dass er dies nicht dürfe, fing der Mann an zu pöbeln. Daraufhin wollte die Stewardess dem Mann den Alkohol abnehmen, woraufhin dieser handgreiflich wurde.

 Gerechtfertigtes Verhalten des Bordpersonals

Nach der Landung in Riga informierte der Pilot die Polizei über das Verhalten des Mannes. Der vollkommen Betrunkene wurde von den Beamten auf die Polizeiwache mitgenommen. Laut seiner Aussage wurde der Mann dort schlecht behandelt und ihm wurde auch kein Essen angeboten. Durch diese Verzögerung verpasste der Passagier seinen Anschluss Flug nach Tel Aviv. In dem Glauben, dass er von der Fluglinie ungerecht behandelt wurde, klagte der Mann vor Gericht. Er forderte 520 Euro für ein Ersatzticket sowie Schmerzensgeld wegen der Behandlung durch die Polizei. Die Klage wurde jedoch abgewiesen.

Der Kläger hätte den Anweisungen der Besatzung Folge leisten müssen, da der Pilot luftpolizeiliche Hoheitsgewalt an Bord einer Maschine ausübe. Es steht dem Piloten zu, Passagiere von Bord zu verbannen bzw. vom Weiterflug auszuschließen, wenn diese übermäßig betrunken seien. Auch darf das Bordpersonal einem pöbelnden Passagier den Alkohol wegnehmen, wenn dies für die Sicherheit an Bord erforderlich ist. Für die Behandlung auf der Polizeiwache ist die Fluglinie nicht zur Verantwortung zu ziehen.

Schwarze Liste der Airlines?

Die Fluglinien sprechen nicht gerne darüber, aber tatsächlich werden manche Personen auf eine „schwarze Liste“ gesetzt, was so viel heißt, dass Sie nicht mehr mit an Bord dürfen. Meist resultiert so ein Listeneintrag aus übermäßigem Alkoholgenuss an Bord und unpassendem Verhalten.

Angeheiterte Promis an Bord

In den Medien ist oft von Promis zu lesen, die im Flugzeug unter Alkoholeinfluss ausgerastet sind. Gerard Depardieu hat, nachdem ihm die Stewardess den Gang zur Toilette untersagt hat, einfach direkt auf den Flugzeugboden uriniert. Eine Alkoholisierung wurde abgestritten.

Naomi Campbell wurde am Flughafen Heathrow in Handschellen abgeführt, weil sie Mitarbeiter wegen fehlenden Gepäcks körperlich attackiert hatte. Bernd Teewag, skandalumwitterter Sohn von Uschi Glas, durfte beim Rückflug von Ibiza nach Deutschland beim Umsteigen in Mallorca nicht mehr mit an Bord, weil er „verhaltensauffällig“ war. Kate Moss wurde bei einer Zwischenlandung stark alkoholisiert von zwei Polizisten aus dem Flugzeug eskortiert.

Obwohl Brad Pitt und Angelina Jolie in ihrem Privatjet unterwegs waren – der Streit, der angeblich das Ehe-Aus eingeläutet hat, basierte auf der starken Alkoholisierung von Brad Pitt und wurde prompt öffentlich.

Promis stehen schnell in den Schlagzeilen, aber für Otto Normalverbraucher reicht die Tatsache, dass er bei starker Alkoholisierung seinen Flug- und in weiterer Folge auch seinen Urlaub nicht planmäßig antreten kann. Die Kosten für einen Ersatzflug muss der Kunde dann auch selbst tragen. Sich in einen alkoholisierten Zustand zu versetzen, befreit die Fluglinie von jeglicher Ersatzzahlung, es geht schließlich um die Sicherheit aller Passagiere an Bord des Flugzeuges.

Laut Luftrecht (JAR-OPS 1) ist die Fluglinie sogar dazu verpflichtet, Passagiere, die eine Gefahr darstellen könnten, auszusieben. „Der Luftfahrtunternehmer darf keiner Person gestatten, ein Flugzeug zu betreten oder sich dort aufzuhalten, und hat alle angemessenen Vorkehrungen zu treffen, um sicherzustellen, dass keine Person ein Flugzeug betritt oder sich dort aufhält, wenn sie unter einem Maße unter dem Einfluss von Alkohol oder von anderen Rauschmitteln steht, dass mit Wahrscheinlichkeit die Sicherheit des Flugzeugs oder dessen Insassen gefährdet ist.“

Unser Fazit zu diesem Thema: Vermeiden Sie übermäßigen Alkoholgenuss auch im Flugzeug, es können unangenehme Folgen und auch finanzielle Nachteile drohen. Wenn Sie unter Flugangst leiden, und bisher versucht haben, sich durch allzu viel Alkohol die Flugangst „wegzutrinken“, kann Ihnen diese Information aus unserem FairPlane Blog sicher weiterhelfen.