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Irreführung auf Online-Reiseportalen

Irreführung auf Online-Reiseportalen

Online-Reiseportale werben häufig mit äußerst günstigen Angeboten.  Das erschreckende Ergebnis einer EU-Studie deckt nun auf, wie sehr die Konsumenten eigentlich irregeführt werden.

Reiseportale im Internet locken Reisende oft mit besonders niedrigen Preisen bei ihren Buchungen. Spätestens bei dem plötzlich aufpoppenden Hinweis „Nur mehr 2 Angebote verfügbar“ fühlt sich der buchende Verbraucher stark unter Druck gesetzt, hier einfach sofort zuschlagen zu müssen. Immerhin geben ja auch Preisvergleichsportale an, den besten Preis gefunden zu haben und bestätigen das Schnäppchen.  Nach einer EU-weiten Untersuchung der Kommission erscheinen nun jedoch viele Dinge in einem neuen, erschreckenden Licht.

Bei zwei Drittel waren die Preisangaben unzulässig

Im Oktober 2016 leiteten die Europäische Kommission und die Verbraucherschutzbehörden eine koordinierte Untersuchung von 352 Preisvergleichs- und Reisebuchungsportalen in der gesamten EU ein. Diese Untersuchung von Webseiten, eine sogenannte „Sweep“-Aktion, bestand aus einer Vielzahl an Kontrollen, die Verbraucherschutzbehörden in verschiedenen Ländern zeitgleich durchführten. Insgesamt wurden dabei 352 Preisvergleichs- und Reisebuchungsportale untersucht. Die ermittelten Ergebnisse sind unglaublich: Auf 235 der untersuchten Portale, ganze zwei Drittel, waren die Preisangaben nicht zuverlässig.

So deckte die Untersuchung auf, dass zum Beispiel während des Buchungsverlaufs weitere Elemente hinzugefügt wurden, welche für den Verbraucher nicht transparent oder nachvollziehbar waren. Hinsichtlich der Lockangebote zeigte sich, dass die beworbenen Bestpreise und Sonderangebote auf der Buchungsseite selbst oft gar nicht auffindbar waren.

Wichtigste Misstände der EU-Studie kurz zusammengefasst:

Zahlt der Verbraucher tatsächlich das, was er zu zahlen glaubt?
In einem Drittel der Fälle entspricht der Preis, der zuerst angezeigt wird, nicht dem Endpreis.

Handelt es sich um ein echtes Angebot oder nur um einen Köder?
In einem Fünftel der Fälle waren Sonderangebote nicht wirklich verfügbar.

Verwirrung oder Verschleierung?
In fast einem Drittel der Fälle war der Gesamtpreis oder die Art und Weise seiner Berechnung nicht klar.

Das letzte günstige Zimmer in einem Hotel oder nur das letzte Zimmer, das auf der betreffenden Website vermarktet wird?
In einem von vier Fällen wurde nicht darauf hingewiesen, dass Aussagen über knappe Verfügbarkeit (z.B. „nur noch 2 verfügbar“, „nur heute verfügbar“) sich strikt auf die eigene Website bezogen.

Auch Online-Reiseportale müssen sich an Vorschriften halten

Věra Jourová, Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung, sagte dazu: „Das Internet bietet den Verbrauchern zahlreiche Informationen, um ihren Urlaub zu planen und dabei Urlaubsreisen zu vergleichen und zu buchen. Wenn jedoch die Bewertungen auf Vergleichsportalen verzerrt oder die Preise nicht transparent sind, sind die Informationen für die Verbraucher irreführend. Die betreffenden Unternehmen müssen die europäischen Verbraucherschutzvorschriften genauso einhalten wie Reisebüros. Die Verbraucherschutzbehörden werden die Betreiber der Portale nun auffordern, diese Probleme zu beheben. Die Verbraucher sollten online in gleichem Maße geschützt sein wie offline.“

Drohende Konsequenzen für die Online-Reiseportale

Das Netz für die Zusammenarbeit im Verbraucherschutz (CPC) wird die Betreiber der 235 Webseiten, bei denen Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden, kontaktieren und sie zur Behebung der Unregelmäßigkeiten auffordern. Falls dennoch keine Änderung erfolgt, können die nationalen Behörden Verwaltungs- oder Gerichtsverfahren einleiten.

Tipp für den Verbraucher: Als Konsument kann man aus dieser Untersuchung nur das Resümee ziehen, noch genauer zu prüfen und zu recherchieren, bis diese Missstände beseitigt worden sind.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind als Informationsblatt hier nochmals einsehbar.