Entschädigung bei Flugverspätung mit Air Berlin

Air Berlin ist insolvent – was sind meine Rechte?

Am 15.August 2017 hat Air Berlin einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Wenige Monate später kam, trotz des Überbrückungskredites der deutschen Bundesregierung das endgültige Aus für die Airline.

Zurück bleiben tausende Mitarbeiterinnen ohne Jobzusage, zigtausende Urlauber, die keinerlei reale Chance haben, ihre im Voraus bezahlten Tickets wieder rückerstattet zu bekommen. Nach mehr als fast vierzig Jahren Air Berlin schwingt neben dem Ärger der Passagiere und den Zukunftsängsten der Mitarbeiter auch eine große Portion Wehmut und Traurigkeit mit.

Am 1. November 2017 wurde das Insolvenzverfahren Air Berlins eröffnet.
Der Flugbetrieb ist seit dem 28. Oktober 2017 eingestellt.

Nimmt FairPlane noch neue Fälle von Air Berlin bezüglich Ausgleichszahlungen an?

Nein, es können aufgrund der Situation bei Air Berlin keine neuen Fälle von Air Berlin mehr angenommen.
Weder FairPlane Express, noch FairPlane Standard.

Die letzten Zahlungen von Air Berlin an FairPlane Kunden sind Anfang August 2017 getätigt worden. Nach dem Verkauf von Air Berlin können die ausständigen Forderungen nur noch im Insolvenzverfahren angemeldet werden.

Kann ich Gutscheine von Air Berlin noch bei Air Berlin einlösen?

Leider nicht, denn auch ein Gutschein stellt gewissermaßen Bargeld dar und darf daher nach der Insolvenz nicht mehr ausgezahlt werden.

Kann ich meine gesammelten Bonusmeilen von Air Berlin noch bei den Fluglinien einlösen?

Nähere Informationen finden Sie hier: https://topbonus.airberlin.com/web/tb/miles-burn

Unser Unternehmenssprecher, Prof. Dr. Ronald Schmid hat diesen Umstand, den der BGH in bereits drei Urteilen als nicht abstrafungswürdig gesehen hat, schon lange kritisiert: der Konsument tritt bei einer Eigenbuchung eines Fluges in Vorleistung, er bezahlt den Flugpreis, wenn aber die Fluglinie insolvent wird, hat er eigentlich keinerlei Chance sein Geld wieder zurückzubekommen.

Hier mehr Infos zur rechtlichen Situation.

Stellungnahme von Professor Dr. Ronald Schmid (Unternehmenssprecher von FairPlane, Reiserechtsexperte):

Derzeit besteht wieder die konkrete Gefahr, dass viele Fluggäste Geld verlieren.

Der Hilferuf der Air Berlin an die Politik (Bitte um Bürgschaften, die möglicherweise unzulässige Beihilfen sind oder bei Politikern auf taube Ohren stoßen könnten) macht hellhörig. Sollte die Rettung nicht gelingen, würden auch hier zigtausende Passagiere ihre bereits zu 100% erfolgte Zahlung des Flugpreises gar nicht oder nur zu einem kleinen Bruchteil aus der Insolvenzmasse zurückerhalten. Ein echtes Horrorszenario!

Eine Kundegeldabsicherung wie sie für Pauschalreisen installiert wurde, hat der Gesetzgeber bislang nämlich nicht eingeführt, obwohl dies von vielen Seiten (u.a. vom vzbv Verbraucherzentrale Bundesverband und FairPlane) immer wieder gefordert wurde. Hier hat die Politik versagt. Wenn sie jetzt finanzielle Hilfen (aus Steuermitteln!) anbietet, so nur, um ein brisantes Thema aus dem „Wahlkampf“ herauszuhalten, damit die geschädigten Fluggäste, aber auch die Mitarbeiter von Air Berlin (die ja fast alle auch Wähler sind) nicht merken, dass (auch) hier die aktuelle Bundesregierung und schon ihre Vorgänger beim Thema Verbraucherschutz kläglich versagt haben.

Aber auch die Judikative trägt eine beachtliche Mitschuld: Jetzt werden nämlich die Folgen der Vorkasse-Entscheidung des BGH vom 16.2.2016 − X ZR 98/14 virulent. Der X. Zivilsenat hat seinerzeit die Ansicht vertreten, dass seine Rechtsprechung zur Vorkasse beim Reisevertrag nicht auf den Luftbeförderungsvertrag übertragen werden muss. Er hat zwar das Risiko, dass der Fluggast bei vollständiger Zahlung des Flugpreises oft Wochen und Monate vor Abflug das volle Risiko der Leistungsunfähigkeit des Luftfahrtunternehmens trägt, das nicht – wie im Reisevertragsrecht – abgesichert ist, im Auge gehabt (Rn. 28), darin aber keine Unbilligkeit gesehen.

Die zahlreichen Insolvenzen von Luftfahrtunternehmen in der Vergangenheit scheinen schon wieder aus dem Blickfeld geraten zu sein: Insolvent wurden namhafte Luftfahrtunternehmen wie PanAm, TWA, Delta, US Airways, American Airlines, Northwest in den USA, Aero Lloyd, Hamburg Airlines, Sabena, Swissair, Malev, Hello u.v.a. in Europa. Selbst die Deutsche Lufthansa war Anfang der 1990er Jahre ein hochverschuldeter Sanierungsfall und hätte vielleicht Insolvenz anmelden müssen, wäre es damals nicht noch ein staatliches Unternehmen gewesen. Angesichts solcher Historie kann ich einige der Kernsätze des BGH-Urteils nicht nachvollziehen: „Das Insolvenzrisiko ist bei einem Luftfahrtunternehmen der Gemeinschaft durch die Zulassungs- und Aufsichtsbestimmungen im Vergleich zu einem Unternehmen, das keiner staatlichen Aussicht unterliegt, deutlich verringert“ und „… das Luftfahrtunternehmen ist jederzeit verpflichtet, seine finanzielle Leistungsfähigkeit nachzuweisen.“

Fakt ist nämlich: Wenn die Aufsichtsbehörden (nach längerer Prüfung!) zum dem Schluss gelangt, dass die finanziellen Bedingungen für eine Aufrechterhaltung des Betriebs nicht gesichert sind, und die Betriebsgenehmigung aussetzt oder gar widerruft, haben in der Regel schon viele, viele Fluggäste ihre Flugbuchungen für künftige Flüge getätigt und bezahlt.

Wenn die Judikative und die Legislative das Recht der Luftfahrtunternehmen auf Vorkasse weiterbestehen lassen, muss endlich eine Absicherung wie im Reisevertragsrecht geschaffen werden. Am besten auf europäischer Ebene! Ein solches Vorhaben ist kein überzogener, sondern ein dringend notwendiger Verbraucherschutz.

Entschädigung bei Flugverspätung mit Air Berlin Flugverspätung

Wissenswertes zur Fluggesellschaft Air Berlin

Das Unternehmen blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. 1978 als Charterfluggesellschaft in den USA gegründet, liegt ihr Sitz heute in Großbritannien. Der Name Air Berlin erinnert an den Erstflug der Gesellschaft von Berlin nach Palma de Mallorca, zu einer Zeit, in der nur Flugzeuge der Alliierten West-Berlin anfliegen durften. Ziele rund um das Mittelmeer, im Speziellen Palma de Mallorca, waren lange Hauptanflugsziel von Air Berlin. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde diese Spezialisierung verstärkt und ausgebaut. Durch immer mehr Anbieter von Billigflügen nahm die Fluggesellschaft die sogenannten „City-Shuttles“ in ihr Programm auf, die in hoher Frequenz auch europäische Großstädte anflogen. Dabei baute sich Air Berlin den Ruf als Premium-Anbieter unter den preiswerten Airlines auf. Nach Übernahme etlicher Fluggesellschaften, wie dba und LTU, erweiterte Air Berlin sein Streckennetz international. Durch Anschluss an die Luftfahrtallianz oneworld eröffnete sich die Luftfahrtgesellschaft auch den wichtigen amerikanischen Markt und fliegt seit 2013 Direktflüge, zum Beispiel von Berlin nach Chicago/USA. Wirtschaftliche Probleme zwangen Air Berlin, die arabische Etihad Airways als Anteilseigner zu akzeptieren, was beiden Seiten Zugang zum europäischen, arabischen und asiatischen Flugraum gewährleistete. Trotz Vielflieger- und Bonusprogrammen musste Air Berlinin den letzten Jahren Rekordverluste hinnehmen. Minimierung der Flotte, enorme Stellenstreichungen undFlugverspätung dominieren die Nachrichten über die Fluggesellschaft.

Daten zur Fluggesellschaft Air Berlin

IATA-Code:AB
ICAO-Code:BER
Rufzeichen:AIR BERLIN
Gründung:1978
Betrieb eingestellt:2017
Sitz:Rickmansworth,
Vereinigtes Königreich
Drehkreuz:
  • Berlin-Tegel
  • Düsseldorf
  • München
  • Zürich
  • Palma de Mallorca
Heimatflughafen:Berlin-Tegel
Unternehmensform:PLC
ISIN:GB00B128C026
Leitung:Wolfgang Prock-Schauer (CEO)
Mitarbeiterzahl:8.694 (31. März 2014)
Umsatz:4,15 Mrd. € (2013)
Bilanzsumme:1,89 Mrd. € (2013)
Fluggastaufkommen:31,5 Mio. (2013)
Allianz:* oneworld

  • Etihad Airways Partners
Vielfliegerprogramm:topbonus
Flottenstärke:125 (+ 34 Bestellungen)
Ziele:National und International
Website:airberlin.de

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